Meilensteine der Kyjiwer Geschichte

Die Gründung der Stadt
(ca. 5. – 7.-9. Jh.)

  • Menschen lebten auf dem Gelände von Kyjiw bereits vor 20 000 Jahren. So wurde der Kyjiw-Kyrill-Wohnplatz – eine der ältesten Fundstätten in Europa – auf dem Gelände der heutigen Stadt Kyjiw erforscht.
  • Laut der Nestorchronik „Erzählung der vergangenen Jahre“ erhöhtt der Apostel Andreas der Erstberufene ein Kreuz auf einem der Kyjiwer Hügel und prophezeite die glorreiche Geschichte der Stadt.
  • Der Legende nach wurde Kyjiw von den Brüdern Kyj, Schtschek, Choryw und ihrer Schwester Lybid gegründet und nach dem Namen des ältesten Bruders Kyj benannt (wortwörtliche Übersetzung des Namens Kyjiw ist „die Stadt von Kyj“).
  • Über das genaue Datum der Gründung Kyjiws streiten Historiker.
  • Kyjiw wurde seit jeher nicht als einheitliche Fläche bebaut, sondern in kleinen „Inseln“, die sich meist auf den Hügelkuppen verteilen. Diese besondere Struktur macht es Archäologen schwer, das Wachstum der Stadt genau nachzuvollziehen. Doch durch diese Art der Bebauung entstand Kyjiws einzigartiger Charakter als Gartenstadt: Wohnviertel wechseln sich ab mit Wäldern und Parks.

Kyjwer Rus
(9.-13. Jh.)

Ein goldenes Zeitalter in der Entwicklung Kyjiws, die Antike unseres Landes. In dieser Zeit war Kyjiw:

  • die Hauptstadt eines mächtigen Staates;
  • eines der größten kulturellen und politischen Zentren Europas;
  • ein bedeutendes Handelszentrum an der Kreuzung der Handelsrouten von Skandinavien zum Mittelmeer und von Osten nach Westen;
  • ein geistliches Zentrum mit dem wichtigsten orthodoxen Kloster – Kyjiwer Höhlenkloster (Kiewer Höhlenkloster, Höhlenkloster Lawra) – sowie der Residenz des Metropoliten in der Sophienkathedrale.

Die mongolische Invasion
(1240)

  • Kyjiw wurde von den Truppen des Batu Khans fast völlig zerstört.
  • Von den 45–50 Tausend Einwohnern Kyjiws im 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts blieben nach der mongolischen Invasion zunächst nur bis etwa 2000 Menschen in der Stadt zurück.
  • Dennoch behielt Kyjiw seine strategische und wirtschaftliche Bedeutung. Die mongolischen Besatzer achteten darauf, dass Kyjiw keine politische Rolle erlangte – andernfalls hätte die Stadt zum Zentrum der Anziehung und Vereinigung des besetzten Rus’-Gebiets der heutigen Ukraine werden können.

Die litauisch-polnische Periode
(14.–17. Jh.).

  • Kyjiw gehörte zu dem Großfürstentum Litauen (seit der zweiten Hälfte des 14. Jh.), und später zu der Polnisch-Litauischen Adelsrepublik (seit Ende des 16. Jh.; im Polnischen existiert die Eigenbezeichnung „Kijów“ für die Schreibweise der Stadt Kyjiw);
  • In der zweiten Hälfte des 15. Jh. ist Kyjiw das Zentrum eines faktisch eigenständigen Fürstentums, das einen bedeutenden Teil Osteuropas umfasst.
  • Bereits zu Beginn des 15. Jh. verfügt Kyjiw über ein starkes wirtschaftliches Potenzial und ist ein bedeutendes politisches Zentrum – hier wird mehrmals über das Schicksal nicht nur Osteuropas entschieden. Darüber hinaus besitzt Kyjiw eine herausragende strategische Bedeutung und wird als „Tor zum gesamten Staat“ bezeichnet.
  • Ende des 15. Jh. wurde das Magdeburger Recht in Kyjiw eingeführt. Es bildete die Grundlage der städtischen Selbstverwaltung bis 1835.
  • 1615 wurde die erste Hochschule in Osteuropa gegründet – die Kyjiw-Mohyla-Akademie, ein Zentrum der Bildung und eine Bastion des orthodoxen Glaubens im Kampf gegen die Katholisierung der Ukraine. Hinter diesem konfessionellen Konflikt verbarg sich ein ethnischer Gegensatz, denn die Katholisierung bedeutete damals faktisch eine Polonisierung. Zu ihren Absolventen zählten etwa zwei Drittel der ukrainischen Hetmane sowie ein Großteil der Elite des Russischen Reiches (bis Mitte des 18. Jh.). Studierende kamen aus zahlreichen Ländern der orthodoxen Welt nach Kyjiw.

Die Kosakenzeit.
Das Hetm
anat –
ein Kosakenstaat
(17.-18. Jh.)

  • Kyjiw war einer der wichtigsten Zentren für den nationalen Befreiungskampf des ukrainischen Volkes (1648–1656).
  • Während des Ruins (1656–1686, einer destruktiven Epoche in der Geschichte des Landes) wurde Kyjiw mehrfach von den Truppen des Zarentums Russland und den Tataren verwüstet. Aufgrund der Kriege zwischen der Polnisch-Litauischen Adelsrepublik und dem Zarenreich Russland wechselten Status und territoriale Zugehörigkeit der Stadt häufig. Schließlich befand sich Kyjiw faktisch im Zustand einer von den Truppen des Zarentums Russland vorübergehend besetzten Stadt.
  • Ende des 17. – Anfang des 18. Jahrhunderts war Kyjiw ein bedeutendes religiöses und kulturelles Zentrum, ein Ort der geistlichen Wiedergeburt, in dem Dutzende von Kirchen im Stil des Kosaken-, ukrainischen oder Mazepa-Barock errichtet oder restauriert wurden.

Russisches Kaiserreich
(1710–1917)

  • Kyjiw war lange Zeit ein Vorposten des Russischen Kaiserreiches, später wurde es zu einem administrativen und kulturellen Zentrum.
  • Von den 1860er Jahren bis zum Ersten Weltkrieg verzehnfachte sich die Bevölkerung der Stadt. Kyjiw (damals als „Kiew“ auf russische Weise transliteriert) entwickelte sich zur „Zuckerhauptstadt“ des Kaiserreichs Russland. Durch die Baubooms am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts verwandelt sich Kyjiw nahezu in eine osteuropäische Metropole.

Zeiten des Unabhängigkeitskampfes
in der Ukraine

(1917–1921)

  • Kyjiw spielte eine wichtige Rolle im Kampf um die Unabhängigkeit.
  • Die Macht in Kyjiw wechselte 14 Mal.
  • Deutsche Truppen halfen den Ukrainern, die Ukraine und Kyjiw von den russisch-bolschewistischen Besatzern zu befreien. Im Gegenzug hofften sie, mithilfe ukrainischen Brotes ihre Heimat vor einer Hungersnot zu retten, die ihnen von der Entente künstlich auferlegt wurde. Da die demokratische ukrainische Regierung ihre Bündnisverpflichtungen nicht erfüllen konnte, waren die Deutschen an der Machtübernahme durch einen Nachkommen der ukrainischen Hetmane – Pawlo Skoropadskyj – interessiert. Dieser neue Hetman erhielt ausschließlich respektvolle Bewertungen von hochrangigen deutschen Persönlichkeiten, einschließlich des Kaisers selbst, und erwidert diese Wertschätzung.
  • Als deutsche Soldaten in Kyjiw einmarschiert hatten, kehrten laut dem Zeitzeugen und damaligen ukrainischen Politiker Doroschenko Ruhe und Ordnung in die von revolutionären Umstürzen, russischen Repressionen und Kriminalität erschöpfte Stadt zurück. Die zivile Infrastruktur wurde rasch und solide ausgebaut.

Sowjetzeit
(1922–1991)

  • Seit 1934 war Kyjiw die Hauptstadt der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Es wurden die einzigartigen Kyjiwer Kirchen zerstört. Es wird ein Regierungszentrum errichtet.
  • Während der Verteidigung (78 Tage lang), der Besatzung durch die Truppen Nazideutschlands (innerhalb von 2 Jahren) und bei der erneuten Besetzung Kyjiws durch die Bolschewiki im Jahr 1943 kamen bis zu 1 Million Soldaten und Zivilisten ums Leben.
  • Während der deutschen Präsenz in Kyjiw sprengten bolschewistische Saboteure einen großen Teil des alten Chreschtschatyk und setzten die Stadt beinahe in Brand. Die deutschen Besatzer unternahmen damals alles, um die Ausbreitung des Feuers zu verhindern und retteten damit faktisch das historische Kyjiw.
  • Der Wiederaufbau Kyjiws nach dem Krieg wurde zu einer Mischung aus dem Versuch, das sowjetische System architektonisch zu propagieren, und dem Streben nach nationaler Wiederbelebung. Dabei standen sich die offizielle bolschewistische Führung und patriotisch gesinnte Architekten und Beamte gegenüber, die sich ihrer Wurzeln bewusst waren und das sowjetische Programm zur Nivellierung nationaler Identität subtil unterliefen.
  • Nach dem Zweiten Weltkrieg verdoppelte sich die Bevölkerung Kyjiws alle 25–30 Jahre und beträgt heute etwa 3 Millionen Einwohner.
  • Kyjiw entwickelte sich zu einem großen Industrie- und Wissenschaftszentrum.

Unabhängigkeit
der Ukraine
(seit 1991 bis heute)