Entwicklung des Kultur- und Kunsttourismus als Weg zum Verständnis

Der Verband für Gastgewerbe und Freizeitindustrie beginnt ein neues Projekt, das in Kooperation mit dem Verband der Ukrainer in Deutschland und mit Unterstützung der Ukrainischen Kulturstiftung zur Entwicklung des ukrainisch-deutschen Kulturtourismus durchgeführt wird.

Wissen Sie, wie viele unglaubliche Architektur- und Kulturobjekte in der Ukraine von deutschen Architekten und Künstlern geschaffen wurden? Der Glockenturm des weltbekannten Höhlenklosters, die St. Wolodymyr-Kathedrale in Kyjiw, um nur einige davon zu nennen.

Entwicklung des Kultur- und Kunsttourismus
Das erste ukrainisch-deutsche Online-Forum zur Entwicklung des Kulturtourismus. Bildquelle: https://us02web.zoom.us/w_p/82696917935/2277f807-cb9c-49e4-a00c-2b154478716e.jpeg

Am 20. September findet das erste ukrainisch-deutsche Online-Forum zur Entwicklung des Kulturtourismus statt. Es soll den Anstoß zur Entwicklung von kulturellen und touristischen Produkten für deutsche Gäste geben.

Das Forum findet in Partnerschaft mit der staatlichen Agentur für Tourismus der Ukraine statt.
Als Sprecher sind Vertreter aus Verwaltung, Wissenschaft und Tourismuswirtschaft aus der Ukraine und Deutschland eingeladen.

Auf dem Forum sehen folgende Themen im Vordergrund:

  • Forschung des deutschen Kulturerbes in der Ukraine
  • Neue touristische Routen in der Ukraine für deutschsprachige Touristen
  • Trends des deutschen Tourismus in der Pandemie
  • neue Schwerpunkte der ukrainisch-deutschen Zusammenarbeit im Tourismus-Bereich.

Jeder, der sich für den deutsch-ukrainischen Tourismusaustausch interessiert, kann am Forum teilnehmen. Hier ist der Link zur Anmeldung: https://us02web.zoom.us/webinar/register/WN_ngLc9mXGSwqNfEL5F7Tf2A?fbclid=IwAR3OD0eXRL35rWR6O60R5I1ruzfKMjxxCeg6lD7RFEJpLWMWjT6EhCChZPY

Ich gab den Veranstaltern des Forums ein Interview auf Ukrainisch. Hier ein paar markante Passagen, die ich hervorheben möchte.

Die Botschafter dieses Projekts sind bekannte Persönlichkeiten aus Kultur und Tourismus, die seit Jahren die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern fördern. Heute hören wir von einem der besten deutschsprachigen Stadtführer der Hauptstadt, warum die Ukraine kulturellen Tourismus für das deutsche Publikum entwickeln sollte.

Pavlo, Sie gehören zu den beliebtesten Stadtführern Kyivs, die Führungen auf Deutsch anbieten. Warum ist es wichtig, die deutsch-ukrainischen Tourismusbeziehungen auszubauen?

– Die deutsch-ukrainischen Tourismusbeziehungen sollte man aus vielen Gründen fördern. Kurz gesagt liegt das Hauptziel darin, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Bürgern unserer Länder zu stärken und ein positives Image der Ukraine als touristisch attraktives Land zu schaffen.

Meiner Ansicht nach gehören solche Verbindungen zu den Instrumenten der kulturellen Diplomatie und beeinflussen letztlich auch die Informationspolitik – und nicht nur diese – in unseren Ländern. Für die Ukraine ist das besonders wichtig angesichts des hybriden Krieges und der Notwendigkeit, feindlicher Propaganda entgegenzuwirken.

Wenn ich Nachrichten über mögliche Veränderungen in der deutschen Politik gegenüber der Ukraine sehe, erinnere ich mich an meine Führungen für Vertreter verschiedener Parteien und Wirtschaftskreise Deutschlands.

Jedes Wort, das wir als Guides oder Übersetzer privat äußern, hat in solchen Fällen großes Gewicht. Man sollte das nicht übertreiben, aber auch nicht unterschätzen. Wir – die Guides – sind als „gewöhnliche Menschen“ wichtig für das Verständnis der Situation durch angesehene Gäste aus Deutschland. Wir stehen an der Front der kulturellen Diplomatie und des Informationskampfes eines Landes, das um seine Unabhängigkeit kämpft.

Ja, wir sind „kleine Leute“. Aber wie mir ein Gast nach einer Führung schrieb: „Kleine Leute vollbringen große Dinge.“ Unsere Worte können manchmal entscheidend sein für strategische Entscheidungen – wie der Flügelschlag eines Schmetterlings oder der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Denn wir vermitteln jene Emotionen, die Politikern oft fehlen, wenn sie keine Gelegenheit haben, mit gewöhnlichen Menschen zu sprechen. Viele Guides zeigen dabei auch ihre eigene bürgerliche Haltung.

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Noch wichtiger ist für mich das direkte Gespräch mit „gewöhnlichen Touristen“. Oft wird gerade der Guide zur Visitenkarte der Stadt und prägt unmerklich den Charakter des ersten Eindrucks über das Land.

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– Aus Ihrer Erfahrung: Was interessiert deutsche Touristen?

– Gäste aus Deutschland, die Kyiv zum ersten Mal besuchen, buchen meist klassische Stadtrundgänge. Alles Weitere unterscheidet sich stark und hängt von den individuellen Wünschen der einzelnen Personen oder der Reiseveranstalter ab.

Beliebt sind zum Beispiel Führungen durch die Lawra, das Regierungsviertel und Lypky, Spaziergänge durch Podil, Bootsfahrten, Ausflüge nach Pyrohiw, Meschyhirja oder Tschornobyl.

Manchmal werden auch Führungen im Gelände des Nationalmuseums der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg, kulinarische Touren, Architekturführungen, Touren zu deutschen Adressen in Kyiv oder Rundgänge zu den Orten der Revolution der Würde gebucht. Viele Führungen biete ich auch auf Deutsch im Babyn Jar an.

Eine besondere und sehr interessante Form von Reisen für deutsche Gäste sind die sogenannten Studienreisen. Im weiteren Sinne handelt es sich dabei um Bildungsreisen mit einem bestimmten Lernziel. Das kann das Studium der Kultur sein, die Auseinandersetzung mit religiöser Vielfalt oder Reisen für Vertreter verschiedener politischer Stiftungen und Parteien.

Im Rahmen solcher einzigartigen und durchaus spezifischen Reisen haben wir Begegnungen mit Vertretern von Nichtregierungsorganisationen, Stiftungen, religiösen Gemeinschaften oder einfach mit interessanten Persönlichkeiten.

Als Ehre empfinde ich es, wenn ich eingeladen werde, vor Gruppen von Gästen Vorträge zu halten – etwa zur allgemeinen Lage in verschiedenen Bereichen des ukrainischen Lebens. Manchmal ersetzt ein solcher Vortrag aufgrund der Umstände die Beiträge anderer Experten. Und gelegentlich werde ich selbst als Experte zur Geschichte der deutschen Gemeinde in Kyjiw eingeladen.

Solche Vorträge sind fast immer ein Dialog und besonders spannend – sowohl für die Gäste als auch für die Vortragenden.

– Welche Küche wählen deutsche Gäste?

– Ich denke nicht, dass es besondere Vorlieben gibt, die für die Mehrheit der deutschen Touristen typisch wären. Manche probieren gern Gerichte der ukrainischen Küche, gelegentlich auch der krimtatarischen Küche. Andere bevorzugen eher die internationale Küche.

Gäste, die mehrere Tage in Kyiv verbringen, entscheiden sich häufig auch für Abendessen mit Gerichten der jüdischen Küche.

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– Neben Ihrer Tätigkeit als Guide setzen Sie sich mit zahlreichen Projekten für die touristische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Ukraine ein. Welche Vorhaben möchten Sie hier hervorheben?

– Die Projekte, an denen ich teilnehme, sind nicht unmittelbar auf die touristische Entwicklung zwischen Deutschland und der Ukraine ausgerichtet, sondern tragen vielmehr unterstützend dazu bei.

Seit vielen Jahren erforsche ich die deutschen Adressen in Kyiv – eine spannende Spurensuche in Archiven, Bibliotheken und digitalen Quellen.

Daraus entstand ein Zyklus von Führungen, Präsentationen und Vorträgen, die ich im Rahmen von Projekten des Zentrums für deutsche Kultur „Widerstrahl“, des Rates der Deutschen in der Ukraine (RDU), der Internationalen Gesellschaft der Deutschen in der Ukraine „Wiedergeburt“ sowie des Goethe-Instituts Ukraine anbiete.

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– Welche drei Ratschläge würden Sie der ukrainischen Regierung geben, um mehr deutsche Touristen ins Land zu bringen?

– In aller Kürze: Unterstützung der Menschen, hochwertige Werbung, offene Kommunikation.“

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Wir als Staat denken oft zuerst an Infrastruktur, Hotels und die Unternehmen des ukrainischen Tourismusmarktes. Doch wir vergessen die „kleinen Leute“ – die Guides. Und am Ende hängen die Eindrücke von einem Land, von einer Stadt und manchmal sogar strategische Entscheidungen auch von uns, den Stadtführern, ab. Von der Präzision unserer Worte.

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Personal entscheidet alles – oder zumindest sehr viel. Auch auf den Guides ruht das Image des Staates.

Wir reden oft über Infrastruktur, Hotels und große Unternehmen im ukrainischen Tourismusmarkt. Doch allzu leicht vergessen wir die „kleinen Leute“ – die Guides. Dabei hängt der erste Eindruck von einem Land, einer Stadt und manchmal sogar strategische Entscheidungen auch von uns ab. Von der Kraft unserer Worte, von der Emotion, die wir vermitteln.

Wir sind diejenigen, die Gästen das Herz einer Stadt öffnen. Ein Satz, ein Blick, eine Geschichte – all das kann mehr bewirken als jede Broschüre oder offizielle Rede. „Kleine Leute vollbringen große Dinge“ – dieser Gedanke begleitet mich nach vielen Begegnungen mit deutschen Gästen.

Am Ende gilt: Menschen machen den Unterschied. Und auf den Schultern der Guides ruht nicht nur das Bild einer Stadt, sondern auch das Image eines ganzen Staates.

Darum lade ich Sie ein: Entdecken Sie Kyjiw mit mir und anderen deutschsprachigen Guides – erleben Sie die Ukraine aus erster Hand und bauen Sie mit uns Brücken zwischen unseren Ländern.

Von der Kraft unserer Worte, von der Emotion, die wir vermitteln.

Wir sind diejenigen, die Gästen das Herz einer Stadt öffnen. Ein Satz, ein Blick, eine Geschichte – all das kann mehr bewirken als jede Broschüre oder offizielle Rede. „Kleine Leute vollbringen große Dinge“ – dieser Gedanke als Feedback eines Gasten nach meiner Führung begleitet mich nach vielen Begegnungen mit deutschen Gästen.

Für alle, die tiefer einsteigen möchten: ausführliche Informationen gibt es hier:

Das komplette Interview in ukrainischer Sprache:

https://zruchno.travel/Publications/Entry/5910?lang=ua

Die Fortsetzung mit dem zweiten Teil (Ukrainisch) auf meiner Facebook-Seite:

https://www.facebook.com/photo/?fbid=1667340093462959&set=a.142564345940549

Und die dritte Fortsetzung (Ukrainisch) ebenfalls auf meiner Facebook-Seite:

https://www.facebook.com/photo/?fbid=1667396833457285&set=a.142564345940549

Mehr über das Projekt der Entwicklung des Kultur- und Kunsttourismus als Weg zum Verständnis:

https://www.facebook.com/DEkulturUA

https://www.facebook.com/DEkulturUA/videos/272538917687623/

Beitrag erstellt von Pavlo Miadzel

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