Volksaufstand in Kiew im Jahre 1113

Vor 900 Jahren, аm 16. April 1113, kam es zum größten Volksaufstand in der Geschichte der Kiewer Rus. Der Aufstand in Kiew, getragen von den städtischen Unterschichten, den Knechten und möglicherweise auch von der ländlichen Bevölkerung des Kiewer Landes, begann nach dem Tode des Kiewer Großfürsten Swjatopolk II., des Auftraggebers der Michaelskathedrale, und wurde vor allem gegen die Wucherer gerichtet. Nach einigen Angaben nahmen die Zinsen der Wucherer in damaliger Zeit bis zu 60 Prozenten zu.

Volksaufstand in Kiew im Jahre 1113
„Volksaufstand in Kiew im Jahre 1113“, Bild von Iwan Jishakewytsch. Bildquelle: shkola.ua

Während des großen Aufstands in Kiew versammelte sich das alte Volksparlament, das Wetsche, auf den Hügeln von Wydubtschi. Dort, unter den ehrwürdigen Bojaren und den wohlhabenden Kaufleuten, fiel eine Entscheidung, die das Schicksal der Stadt verändern sollte: Man rief den Fürsten von Perejaslaw, Wladimir Monomach, Enkel des Jaroslaw den Weisen, auf den Thron. Monomach folgte dem Ruf des Volkes, nahm die Krone an und wurde zum Großfürsten von Kiew – ein Augenblick, der wie ein neues Kapitel im Buch der Geschichte aufschlug.

Nach der Unterdrückung des Aufstandes führte Wladimir Monomach Reformen durch und verbesserte die Lebensverhältnisse der unteren Volksschichten durch eine Neufassung der Sozialgesetzgebung. Wladimir Monomach war einer der berühmtesten und gerechtesten Herrscher der Kiewer Rus.

Eine spannende Legende erzählt, dass die berühmte „Mütze des Monomach“ einst vom byzantinischen Kaiser Konstantin IX. Monomach seinem Enkel geschenkt wurde – als Symbol der kaiserlichen Macht und des Rechts, den Titel „Zar“ (vom Wort „Caesar“ im Römischen Reich) zu tragen. Jahrhunderte lang krönten die Moskauer Zaren mit dieser Kopfbedeckung ihre Herrschaft, und noch heute ist sie im Kreml zu sehen.

Doch ukrainische Forscher haben eine ganz andere Deutung: Für sie ist die Mütze nichts anderes als eine orientalische Tjubetejka, die Usbek Khan von der Goldenen Horde im 14. Jahrhundert dem Moskauer Fürsten übergab – als sichtbares Zeichen der Abhängigkeit Moskaus. Ein faszinierendes Beispiel dafür, wie Geschichte und Legende oft unterschiedliche Geschichten erzählen!

Vor eintausend Jahren war Kiew die zweitgrößte Stadt in Europa, das wichtigste Handelszentrum der Welt und die Hauptstadt eines riesigen Reiches mit sehr hoch entwickelten Handels- und Wirtschaftsbeziehungen.

Das Modell des alten Kiews ist im Museum der Sophienkathedrale sowie im Nationalen Museum für die Geschichte der Ukraine zu sehen.

Altes Kiew
Das Modell des Alten Kiews. Bildquelle: turistua.com

Beitrag erstellt von Pavlo Miadzel und Igor Plaschkin

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